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Im Gottesdienst am 8.Mai (mit Konfirmandenprüfung) wird es auch ein weiteres Ereignis geben, das uns sehr berührt.

George Cienciala wird am 23.Mai nach England zurückfliegen und unsere Gemeinde verlassen.

Er ist mit seiner Gattin Anna im August 2008, an ihrem 79.Geburtstag, nach Österreich gekommen. Sie ist im August
2017 verstorben, ein schwerer Verlust für den Ehemann. Beide haben unsere Gemeinde sehr bereichert

George in Eisenstadt auf der Kanzel
George mit einem Lächeln

George war Gemeindevertreter und Presbyter und auch darüber hinaus in der Evangelischen Allianz tätig. Nach einem bewegenden und aufregenden Lebenslauf hat er unserer Gemeinde in Ruhe und Gebet gedient, mit seiner geistlichen Tiefe ... seiner theologischen Erkenntnis, die ihresgleichen sucht. Er hat bei kaum einer Veranstaltung oder einem Gottesdienst gefehlt, auch wenn es für ihn zusehends mühsamer wurde.

Er wird in sein Haus in Ilford, einer Vorstadt von London, ziehen, wo auch sein ältester Sohn Paul mit seiner Frau und zwei von fünf Enkelkindern wohnen.

Wir werden in diesem Gottesdienst am 8.Mai Gott Danke sagen, dass die Beiden unter uns gewesen sind ("Now thank we all our God / with hearts and hands and voices" - EG 321) und den Reisesegen für George Cienciala erbitten.                                                                                                                                                                                     

Pfr. Rampler

Georges "kurzer" Lebenslauf:

Meine Familie auf beiden Seiten stammt aus dem K & K Herzogtum Teschen. Die Ciencialas, schon im Jahre 1650 erwähnt, waren Bauern in verschiedenen Dörfern. Mein Urgroßvater Jerzy (Georg) war lange Jahre Abgeordneter im schlesischen Landtag und am Anfang des 20sten Jahrhundert für einige Jahre im Wiener Reichsrat.

Im Ahnenpass meiner Mutter, Traude Leichner, sind ihre Vorfahren seit 1720 als Bürger & Tuchmacher in Bielitz erwähnt. Aber ihr Vater und drei von seinen Kindern waren Lehrer, (natürlich) in Bielitz absolviert.

Ich bin am 18.5.1936 in Kattowitz geboren, mein älterer Bruder im Dezember 1934 in einem Nachbarort. In September 1939 lebten wir in Lemberg. Mein ältestes Gedächtnis ist wie die Russen da einmarschiert sind. Mein Vater wurde ein russischer Gefangener, aber meine Mutter als eine Volksdeutsche, und wir Kinder, konnten unter dem Molotow – Ribbentrop - Pakt nach Deutschland reisen, nach Bielitz, jetzt nicht mehr in Polen, aber im Großdeutschen Reich. Da haben wir bei unserem mütterlichen Großvater gelebt.

Im Jänner 1945, als die Russen in Krakau ankamen, hat er gesagt, jetzt ist es Zeit, dass wir zu Verwandten in Sachsen reisen. Einige Monate später mussten wir weiterfahren, denn die Tochter des Hauses, die in Dresden lebte, verlor ihre Wohnung in dem großen Bombenangriff. Wir reisten nach Westfalen, eine sehr abenteuerliche Reise, zu Verwandten, die Bauern waren am Ossenberg, ein kleines Dorf in der Nähe von Lüdenscheid. Gott hat uns sehr gut versorgt. In 1945/46 war überall in Deutschland Hungersnot, aber auf einem Bauernhof gibt es immer etwas zu essen.

Mein Vater wurde 1943 aus russischer Gefangenschaft entlassen. Polen waren doch, nachdem Hitler Russland angegriffen hatte, nicht mehr Feinde, sondern Alliierte. Als ein Reserve-Offizier in der polnischen Wehrmacht, kam er über Persien und Kapstadt (Südafrika) nach Großbritannien. Nach dem Krieg hat er angefangen, uns zu suchen und hat es 1947 geschafft. Meine Eltern wurden im Krieg geschieden, so kam unser Vater 1947 nach Deutschland, um unsere Zukunft zu besprechen. Es wurde vereinbart, dass mein Bruder und ich nach England übersiedeln sollen, und das geschah im September 1948. Einige Jahre später wurde unser Vater ein britischer Staatsbürger, also auch mein Bruder und ich.

Mit 18 Jahren, also nach meiner Schulzeit, musste ich ins Militär für meine Wehrpflicht, aber anstatt der vorgesehenen 2 Jahre habe ich 6 Jahre gedient, drei davon im Fernen Osten (Singapur, Malaysia und Sri Lanka). Danach studierte ich 3 Jahre an der Universität von Westminster für einen General Science Bachelor Degree (Mathematik, Physik & Chemie). Ich habe in England als Research Chemiker in einer Firma gearbeitet, die Lichtpauspapiere erzeugte. 1978 übersiedelte ich nach Kuwait, um eine Firma aufzubauen, und dann zu leiten, die dort auch Lichtpauspapiere erzeugte.

Im August 1990 hat sich alles geändert. Saddam Hussain, der Präsident von Irak, hat Kuwait übernommen. Gleich am ersten Tag wurde ich festgenommen und für die nächsten 143 Tage war ich ein "Human Shield", eine Geisel von Saddam Hussain, an einem Staudamm im Nord-Irak. Nicht ganz ein Jahr später wurde Kuwait von einer internationalen Koalition befreit. Das war der sogenannte 1. Golfkrieg.

In Kuwait hatte sich viel verändert. Meine Firma war "tot", aber mein Leben bekam ein neues Ziel, Gott direkt zu dienen als Administrator (Verwalter?) der National Evangelical Church of Kuwait, ein neuer Posten. Kuwait ist ein muslemischer Staat. 1919 bekam die American Medical Mission das Recht, ein Krankenhaus zu bauen. Bald danach auch eine Schule und eine kleine Kirche. Nachdem Öl entdeckt wurde, sind viele Gastarbeiter ins Land gekommen, viele waren Christen. Die kleine Kirche wurde die National Evangelical Church of Kuwait, und in meiner Zeit hatten 36 Gruppen/Gemeinden regelmäßige Gottesdienste (jetzt sind es über 50). Mit der Zeit wurde eine katholische Kathedrale gebaut, denn der Leiter der vielen Katholiken ist jetzt ein Bischof. Die Koptischen Christen haben auch ihr eigenes Gotteshaus. Die fünf Jahre als Administrator (1996 kam ich nach England zurück) waren für mich eine sehr interessante Zeit.

Meine Arbeit in England war nicht sehr anders. 4 Jahre lang war ich Office Manager für 2 verwandte Christliche Organisationen: The Institute for the Study of Islam and Christianity, und The Barnabas Fund.

Mein letzter Posten war Administrator der St Anne's Lutheran Church, London. Das war meine Heimatgemeinde seit 1953. Hier habe ich Anna kennen gelernt und geheiratet. Meine drei Söhne wurden da getauft.

Bis wir 1978 nach Kuwait übersiedelten, war ich immer im Kirchenrat (hier würde es das Presbyterium sein, aber dieser Titel wurde nicht gebraucht) in verschiedenen Posten. Ich war aber auch viele Jahre lang Mitglied des Vorstands der Synode, und für einige Zeit Mitglied des Lutherischen Rats von Großbritannien. Das bringt die verschiedenen Lutherischen Kirchen zusammen: Deutsche, die skandinavischen und baltischen Kirchen, wie auch die polnische und ungarische, und zuletzt auch die englische Kirche. Manche sind schon hunderte Jahre alt, die anderen seit dem II. Weltkrieg von Flüchtlingen gegründet.

Das ist der KURZE Lebenslauf !!!

MLG,
George (2.Mai 2022)